Wir sprachen mit Prof. Dr. Rainer Hüttemann, geschäftsführender Direktor des Instituts für Steuerrecht der Universität Bonn und Vorsitzender des Kuratoriums von GEMEINSCHAFT STIFTEN, über die Bedeutung von privatem Engagement und Lösungen für notleidende Stiftungen.
Ich bin ja im Stiftungssektor seit vielen Jahren aktiv. Und zur Sparkasse gab es über die Bonner Universitätsstiftung eine langjährige Verbindung. Als ich dann gefragt wurde, habe ich gerne zugesagt. Ich halte die Idee solcher Stiftungsgemeinschaften für sehr sinnvoll. Denn es gibt ja nicht so viele potenzielle Initiatoren in diesem Bereich.
Prof. Dr. Rainer Hüttemann
Richtig. Ich war neun Jahre lang im Bundesverband Deutscher Stiftungen aktiv, wo ich relativ früh Beiratsmitglied und später Vorstandsmitglied wurde. Zudem war ich auch bei der Deutschen Stiftungsakademie in Funktionen. Heute konzentriere ich mich auf meine wissenschaftliche Tätigkeit als Hochschullehrer und meine Aufgabe im Vorstand unserer Universitätsstiftung.
Das ist wieder einer dieser Zufälle im Leben. Im Sommersemester 1986 besuchte ich eine Seminarvorbesprechung meiner späteren akademischen Lehrerin Frau Knobbe-Keuk. Zum ersten – und ich glaube auch zum einzigen Mal – bot sie ein Seminar zum Thema „Gemeinnützigkeitsrecht“ an. Ich fand das spannend – vielleicht auch, weil ich damals schon die Fühler in den gemeinnützigen Sektor ausgestreckt hatte. Also schrieb ich zu dem Thema meine Seminararbeit, war damit erfolgreich, arbeitete später an ihrem Institut und promovierte dazu. Seitdem beschäftigt mich das Gemeinnützigkeitsrecht auf verschiedenen Ebenen. Unter anderem bin ich Verfasser eines Buches, von dem andere sagen, es sei ein Standardwerk zu diesem Bereich in Deutschland.
Ja, denn es wird oft unterschätzt, welche praktische Relevanz es hat. Im Grunde arbeiten alle Einrichtungen des Non-Profit-Sektors mit dieser Rahmenvorgabe – vom Wohlfahrts- und Gesundheitswesen über die Kultur bis zur Wissenschaft und Forschung. Das ist im Ausland nicht anders. Alle europäischen Länder und auch die USA haben vergleichbare Vorgaben. Dieses Regulierungsrecht für den dritten Sektor definiert, wer sich „gemeinnützig“ nennen darf. Und damit auch, wer Anspruch auf bestimmte Zuwendungen und Steuervorteile hat
Deutschland ist ein wohlhabendes Land. Allerdings sehen wir in den letzten Jahren, dass staatliche Einrichtungen in vielen Bereichen an Grenzen stoßen. Man denke etwa an die Kommunen, die immer mehr Aufgaben zu schultern haben. Gleichzeitig wachsen die Steuereinnahmen nicht in gleicher Weise. Hier kann privates Engagement und Stiftungen einen wertvollen Beitrag leisten. Ein Beispiel aus dem Bonner Raum ist die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die jedes Jahr mit rund 20 Mio. Euro Restaurierungen von Denkmälern ermöglicht. Das sind Projekte, wo die öffentlichen Kassen sagen: Da können wir nichts machen.
Als in den 2000er-Jahren ein Stiftungs-Hype in Deutschland entstand, gab es die Vorstellung, dass jeder eine Stiftung errichten kann. Einige Dienstleister boten dies bereits ab einigen tausend Euro an. So konnte man dann bei der Geburtstagsfeier sagen: Ich habe jetzt eine Stiftung errichtet, spendet mal alle dahin. Ich möchte das nicht kleinreden – grundsätzlich ist jedes Engagement sinnvoll. Aber das Lebensmodell einer Stiftung ist weniger eine Frage der Rechtsform. Es ist die Idee, dass ich ein Vermögen dauerhaft für einen bestimmten Zweck widme. Und das setzt im Wesentlichen zwei Dinge voraus. Erstens: Man braucht entsprechende Erträge, um den Stiftungszweck zu erfüllen. Und zweitens müssen die Erträge zum Zweck gebracht werden. Das heißt, sie müssen Entscheidungen über die Mittelverwendung treffen. Letztlich ist die Frage: Wer macht eigentlich die Arbeit? Das Problem dieser kleineren und mittleren Stiftungen besteht schlicht darin, dass die Erträge nicht für die Zweckerfüllung ausreichen, weil das Vermögen zu klein gewählt wurde. Und zweitens fehlen in der Generation nach den Stiftern Menschen, die ehrenamtlich in den Gremien mitarbeiten wollen.
Ja, es ist wie mit der Kristallbildung in der Chemie. Es braucht einen Nukleus als Ausgangspunkt für weiteres Wachstum. Die Stiftungsgemeinschaft ist ein solcher Nukleus. Sie ermöglicht Menschen das zu tun, was sie wollen. Und das, ohne die Arbeit im Vorstand einer Stiftung auf sich nehmen zu müssen, die steuerrechtlichen Angelegenheiten selbst zu regeln, sich um die Auszahlung der Mittel zu kümmern oder sich Gedanken zu machen, wie man sein Stiftungsvermögen am besten anlegt. Denn die meisten Stiftenden möchten einfach nur ihr Vermögen sinnvoll einsetzen. Sei es, um einen neuen Bus für den Transport von Menschen mit Behinderung zu finanzieren oder Veranstaltungen im Kulturbereich zu unterstützen. Die Stiftungsgemeinschaft bringt Bedarfe und Möglichkeiten zusammen.
Mit einer Stiftungsgemeinschaft erreicht man in der Summe mehr als mit einer einzelnen kleinen oder mittelgroßen Stiftung. Durch eine sinnvolle Bündelung der Mittel können mehr und größere Vorhaben verwirklicht werden. Man tauscht sich gemeinschaftlich darüber aus, welches Engagement wirtschaftlich realisierbar ist. Außerdem wird es möglich, gleichartige Stiftungsfonds miteinander so zu koppeln, dass man sich gemeinsam viel sichtbarer engagieren kann – beispielsweise im Bildungsbereich. Und auch die Stiftungsgemeinschaft selbst sorgt ja dafür, dass das Engagement bekannt gemacht und in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Alles das könnte eine kleine Stiftung mit geringer Kapitalausstattung kaum selbst leisten.
Für die Erfüllung des Stifterwillens ist das essenziell. Hierfür braucht es eine dauerhafte Institution, die ein gewisses Renommee und auch ein eigenes Interesse hat, den Stifterwillen zu erfüllen. Die Sparkasse kann das, da sie einen öffentlichen Auftrag hat und regional gebunden und verbunden ist.
Vielen Dank für das Gespräch.
Sie wollen Gutes bewirken – für Köln, Bonn und über die Grenzen unserer Städte hinaus? Dann machen Sie mit bei der Stiftungsgemeinschaft der Sparkasse KölnBonn. Mit GEMEINSCHAFT STIFTEN können Sie schnell und ganz unkompliziert zur Stifterin oder zum Stifter werden. Wir freuen uns auf jeden engagierten Stiftungsinteressierten und alle, die unsere Idee unterstützen. Fragen Sie uns zu den Möglichkeiten.
Cathrin Dauven
Vorstandsvorsitzende von GEMEINSCHAFT STIFTEN Stiftungsgemeinschaft der Sparkasse KölnBonn
Nicole Döring
Geschäftsführerin von GEMEINSCHAFT STIFTEN Stiftungsgemeinschaft der Sparkasse KölnBonn